NEUES KUNSTHAUS AHRENSHOOP - MELANCHOLIE


Neues Kunsthaus Ahrenshoop

MELANCHOLIE


Christin Wilcken








Vera Ohlsson








Matthias Beckmann








Emma Gunnarsson








Britta Matthies








Julia Ludwig



Ausstellung vom 7. Juli bis 9. September 2013
täglich geöffnet von 10 bis 18 Uhr


MELANCHOLIE
Vom Tiefdruck in der zeitgenössischen Kunst



Mit Werken von:
 
Matthias Beckmann, Nils Dicaz, Andreas Eschment, Tina Flau, Gerd Frick, Dieter Gilfert, Cornelia Groß, Andreas Grunert, Emma Gunnarsson, Detlef Hagenbäumer, TO Helbig, Karin Innerling, Maja Linke, Julia Ludwig, Britta Matthies, Susanne Nickel, Vera Ohlsson, Veronika Schäpers, Christiane G. Schmidt, Lucia Schoop, Katinka Theis, Angelique van Wesemael, Olaf Wegewitz, Christin Wilcken, Andreas Zahlaus, Miro Zahra, Michaela Zeaiter, Tanja Zimmermann


MELANCHOLIE und TIEFDRUCK. Ist es die samtige Oberfl√§che oder die Entdeckung der Langsamkeit, dass gerade die Technik des Tiefdrucks wieder von jungen K√ľnstlerinnen und K√ľnstlern entdeckt wird? In der Berliner Druckwerkstatt im K√ľnstlerhaus Bethanien muss man in letzter Zeit langfristig um Termine bitten um an den einst fast vergessenen handbetriebenen Druckerpressen arbeiten zu k√∂nnen, w√§hrend nebenan die Computerdrucke auf Hochtouren laufen.

Ist es die Haltung der Figur in MELANCHOLIA 1 des von Albrecht D√ľrer im Jahr 1514 entstandenen Kupferstiches im √úbergang vom Mittelalter zur Renaissance, die eindrucksvoll in allegorischen Bildern einen Widerspruch in uns versinnbildlicht? Was geh√∂rt auf ewig einer Vergangenheit an, welche Bedeutung hat das Neue, Unbekannte oder ist der sch√∂pferische Mensch wirklich so melancholisch angesichts der Unvollkommenheit unseres Seins? Ist das gar eine sch√∂ne ‚ÄěH√§ngematte‚Äú? Zwischen mancher Realit√§t, Sehnsucht oder Hoffnung und Trauer √ľber weniger angenehme Tatsachen k√∂nnen Kontroversen liegen, aber eben auch viel Melancholie als eine akzeptierte Seeligkeit. Kann dies der Tiefdruck besonders zum Ausdruck bringen? Wir meinen ja und uns hat dazu interessiert, ob √§hnliche Fragen oder Feststellungen dieser faszinierenden Drucktechnik in den Werken der Stipendiatinnen und Stipendiaten des K√ľnstlerhauses Lukas in √§hnlicher Lebendigkeit zu finden sind wie dies in den Werkst√§tten derzeit zu beobachten ist. Wir baten innerhalb einer Ausschreibung um Vorschl√§ge und w√§hlten √ľber 50 Werke von 28 K√ľnstlerInnen aus.

MELANCHOLIE stellt eine Auswahl an verschiedenen M√∂glichkeiten des wandlungsf√§higen TIEFDRUCKES in unserer neu belebten Ausstellungsreihe zusammen und geht als erste der k√ľnftig vorgestellten Drucktechniken deren verschiedenen Ausdrucksformen nach. Die ausgew√§hlten Werke selbst werden verdeutlichen, wo und ob Altes auf Neues trifft und welcher Raum der Melancholie dabei durch die Inhalte oder die gew√§hlte Drucktechnik einger√§umt wird.

Wir m√∂chten ebenso vermitteln, weshalb es im Tiefdruck kalte, trockene, hei√üe bzw. nasse Techniken gibt. Welche Spuren hinterl√§sst eine manuelle Bearbeitung einer Platte, die als Kaltnadeldruck besonders einpr√§gsame Linien im grafischen Druck hervorbringt und einst aus Werkst√§tten der Schmiedekunst heraus wuchs? Es kamen Werkzeuge wie Fr√§s- und Graviernadel oder Rouletten hinzu, um besondere Strukturen, Spuren auszudr√ľcken. Dies steigerte sich zur Mezzotinto, bei der geradezu im Umkehrverfahren die stark bearbeitete Metallplatte das Licht wie bei Goya so meisterlich, weich und bedrohlich aus der Dunkelheit hervorzaubert. Rembrandt war einst der gro√üe Meister der Strich√§tzung oder auch die Aquatinta erlaubte die Bearbeitung der Kupfer- oder Zinkplatte mittels S√§ure sogar fl√§chendeckend. Die Fotografie zog als Photopolymer oder Heliograv√ľre seit einigen Jahrzehnten ein, als wollte man mit den weichen Tiefen der Mezzotinto die Bilderflut unendlicher Schnappsch√ľsse anhalten. Oder die K√ľnstler verzichten ganz auf die nicht gerade gesunden S√§uren und Chemikalien und benutzen in der als Colografie bezeichneten Tiefdrucktechnik ganz andere Materialien wie Pappe, Klebstoff oder Sand. Auch Kunststoff eignet sich, um die gezeichnete Botschaft in kleinsten Auflagen zu erstellen.

Klassisch schwarz, farbig klar oder fast malerisch verschwommen, in Kombination mit anderen Drucktechniken oder durch Zuckerguss oder Vernis Mou strukturiert, unsere Ausstellung wird gewiss wie einst Albrecht D√ľrer r√§tselhafte und dennoch kl√§rende Einblicke in ausge-w√§hlte Themen geben k√∂nnen, aber die Faszination des Tiefdrucks wird mit Sicherheit geweckt werden und statt Tr√ľbseeligkeit Frohsinn oder Melancholie verbreiten.

Gerlinde Creutzburg - Kuratorin der Ausstellung.
Neues Kunsthaus Ahrenshoop