NEUES KUNSTHAUS AHRENSHOOP - Das Künstlerbuch VII


NEUES KUNSTHAUS AHRENSHOOP

Das Künstlerbuch VII


Christine Matzke










Anastasiya Nesterova












Miro Zahra (Detail)












Susanne Möhring












Eike Dingler






Ausstellung vom 15. September bis 4. November 2013
täglich geöffnet von 10 bis 17 Uhr


Das Künstlerbuch VII


Anastasiya Nesterova (Münster)
Christine Matzke
(Halle)
Susanne Möhring
(Berlin)
Miro Zahra
(Plüschow)
Eike Dingler
(Berlin)



In der Ausstellungsreihe Das Künstlerbuch der gemeinsamen 
EDITION HOHES UFER AHRENSHOOP von Künstlerhaus Lukas und Neuem Kunsthaus, steht bereits zum siebten Mal die Verbindung von Literatur und Bildender Kunst in originalgrafischen Künstlerbüchern und Buchobjekten im Mittelpunkt. Die fünf teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler Anastasiya Nesterova (Münster), Christine Matzke (Halle), Susanne Möhring (Berlin), Miro Zahra (Plüschow) und Eike Dingler (Berlin) zeigen eigene Werke sowie traditionell ein gemeinsam im Dialog hergestelltes Buchobjekt. Unter dem Titel SPARSAM entstanden insgesamt fünfzehn originalgrafische Blätter, die von den Künstlern wechselseitig gestaltet wurden. Über einem Zeitraum von fünf Monaten hatte jede der ehemaligen StipendiatInnen je drei Blätter für einen Monat zur Bearbeitung, dann wurden sie weitergeschickt und weiter bearbeitet. Entstanden sind in diesem spannenden Experiment fünfzehn Unikate, bei dem jeder Künstler, jede Künstlerin, die eigene Handschrift und gestalterische Ideen mit der der anderen in Verbindung brachte. Die Arbeiten teilen sich auf in fünf Künstlerexemplare sowie 10 Sammlerstücke, jeweils in einer Schachtel und erschienen in der EDITION HOHES UFER AHRENSHOOP. 

SPARSAM – dieser Titel wurde bewusst von den Beteiligten inmitten einer Zeit gewählt, die einerseits von Überfluss und andererseits von notwendiger Einschränkung, auch ungewollter beispielsweise im Kulturbereich, geprägt ist. Das Begriffsfeld um SPARSAM ist weit und reicht von bedürfnislos, bescheiden, genügsam über rationell, wirtschaftlich bis hin zu knauserig, knickrig und geizig. Energie sparen, Kosten sparen, Ressourcen sparen. Sparen für die Zukunft oder für den Lebensabend. In der Kunst kann Reduzieren ein Ausdruck von Sparsamkeit sein, die künstlerische Reduktion als ein Verfahren, eine Sache auf das richtige Maß zurückzuführen. Sparsam legt auch den Gedanken an eine gewisse Einfachheit nahe, an eine Form von Minimalismus im Ausdruck, aber auch in einer Lebenshaltung, um letztlich intensiver zu verdeutlichen oder reicher zu empfinden. Den Gedanken der Einfachheit gab und gibt es in vielen Kulturen, beispielsweise auch in der Zen-Philosophie. Das japanische Prinzip des „Ma“ bezieht sich auf leere oder offene Räume und Flächen. Es hat zum Ziel, alle unnötigen Innenwände einzusparen und damit Raum zu schaffen zwischen dem Innen und Außen. Die Reduzierung auf ein spartanisches Arrangement führt das Prinzip weiter, bis zu einer möglichst essentiellen Qualität. Selbst die moderne Konsumgesellschaft erkennt mittlerweile eine Hinwendung der Menschen zu reduzierten Lebensprinzipien als sinnvolle Alternative an und strebt eine bessere Nutzung der vorhandenen Ressourcen an. Der Minimalismus als Kunstströmung ist in den frühen 1960er Jahren in den USA als Gegenbewegung zur gestischen Malerei des abstrakten Expressionismus entstanden. 

Die an der Ausstellung beteiligten KünstlerInnen fanden ihren ganz eigenen Ausdruck von SPARSAM. In den großen Blättern des Gemeinschaftsprojektes, die eigens für diese Ausstellung entstanden sind, finden sich ausgewählte Textelemente, Malerei, Zeichnungen und Collagen. Es geht um Geld, Geiz und Vermögen. Susanne Möhring lässt den Geizigen von Molière mit „mon pauvre argent ! mon pauvre argent ! mon cher ami !“ zu Wort kommen und Anastasiya Nesterova zitiert dadaistische Kurzgeschichten von Daniel Charms. Minimalistische Texte zum Thema, die mit kurzen, knappen Worten viel Inhalt weitergeben. Gestalterisch reduzieren sich beide Künstlerinnen auf schwarz-weiß. Auch der monochrome Farbeinsatz von Miro Zahra und die Verwendung von weißer Gouache auf weißem Papier von Christine Matzke zielen auf die Kunst der Reduktion. Eike Dinglers Collagen mit Papiergeld fremder Währungen zeigen sowohl einen spielerisch-verschwenderischen, aber auch kritisch hinterfragenden Umgang mit Geld. Die Ausstellung „Künstlerbuch VII“ zeigt neben den gemeinsam erstellten Unikaten zudem eine Auswahl an interessanten Künstlerbüchern der fünf KünstlerInnen. Sie ist reich an Ideen, subtilen Anspielungen, Geschichten, Verbindungen von Wort und Bild oder Bild und Bild und bietet Raum für Entdeckungen.
Neues Kunsthaus Ahrenshoop
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