NEUES KUNSTHAUS AHRENSHOOP - Cornelia Schleime


NEUES KUNSTHAUS AHRENSHOOP

Cornelia Schleime


11.9. – 31.10. 2011
täglich 10 – 17 Uhr


Halb unter Wasser - Cornelia Schleime
Malerei, Zeichnung, Objekte


In Kooperation mit dem „art residence programm“ der FAMAKunststiftung und der Stiftung Kunstmuseum Ahrenshoop wird der Ehrengast 2010 im Künstlerhauses Lukas im Bereich Bildende Kunst umfangreich präsentiert.

Eröffnung am 10. September um 17 Uhr

Einführende Worte: Dr. Katrin Arrieta - Kuratorin

anschließend Performance
Cornelia Schleime liest aus ihrem Buch „In der Liebe und in der Kunst weiß ich genau, was ich nicht will“, einer künstlerischen und autobiografischen Materialsammlung mit Gedichten, Statements, Texten, Performances und Körperaktionen, erschienen im Kerber-Verlag. Dazu spielt Lothar Fiedler (Gitarre), mit dem die Künstlerin seit vielen Jahren zusammen arbeitet, zuletzt im Goethe Institut/Tate Modern in London.



Halb unter Wasser - Cornelia Schleime in Ahrenshoop

Cornelia Schleime bewohnte im September und Oktober 2010 als dritter Ehrengast des 2008 eingerichteten Programms „Art residence Ahrens- hoop“ der Stiftung Kunstmuseum Ahrenshoop, der FAMAKunststiftung und des Künstlerhauses Lukas das hierfür reser- vierte Atelier, um vor allem zu zeichnen. Keine Erstbegegnung war der Aufenthalt, sondern ein ausgedehntes Wiedersehen, bestückt mit eindrücklichen Erinnerungen an gute Momente einer weit zurückliegenden Zeit: mit der alten Frida Löber zum Beispiel, deren ausstrahlende Persönlichkeit ihr noch immer imponiert. Herzerfrischend ist die Rückschau auf ihr Leben in der DDR für Cornelia Schleime aber meistens nicht. Sie hat damit verknüpfte Arbeits-themen mitgebracht, absichtslos, so scheint es. Ort und Land- schaft nahm sie neuerlich für sich in Besitz, verbrachte viel Zeit am Strand und im herbstlichen Ahrenshooper Holz. Hier entstand eine Reihe fotografisch dokumentierter Selbstinszenierungen. Die Idee zur traumwandelnden Kinderwagentreidlerin mit den seilartigen Zöpfen geht auf ihre 1993 ent- standene „Stasiserie“ zurück. Unter dem Titel „Bis auf weitere gute Zu- sammenarbeit“ hatte Cornelia Schleime damals 14 Blätter aus den sie betreffenden Akten des MfS zu Collagen derart umgesetzt, dass sie die zynisch-banalen Sprachbilder der Observateure mit Fotos vorgeblicher eigener Lebensaktivitäten in eine lachhaft absurde Übereinstimmung brachte. Vom politischen Bezug gelöst, behält das Motiv seine Kraft als ironisch gebrochene, melancholische Metapher ihrer persönlichen Ge- schichte, spielt auf Fesselungen an, die zu entkräften sind um den Preis abschiedsartiger Übergange. Dafür war ihr das Meer willkommen, die Option, in diese sich verflüssigend fortsetzende Landschaft körperlich einzutauchen und wieder aus ihr hervorzugehen. Womöglich ist es so eine Art spielerisch-riskanten „Freischwimmens“, was auch in den figür- lichen Szenen ihrer Ahrenshooper Aquarelle und Gefäßbemalungen stattfindet, welch letztere sie abermals im Atelier der Keramikerin Wilfriede Maaß ausführte. „Halb unter Wasser“ verweist auf das Abge- schiedene der künstlerischen Produktion, das In-sich-Gehen als Vor- aussetzung jeder noch so extrovertierten künstlerischen Geste. Es gehört zu ihrer Art, sich zu konzentrieren, dass Cornelia Schleime malend in mythische Vorstellungswelten eintaucht, Welten, deren fabelhaftes Innenleben zum Allgemeinbesitz gehört und in denen jeder, der sie betritt, anders, vielleicht unbedingter, bei sich ist als in der sogenannten Wirklichkeit.

Katrin Arrieta 


1953 in Ostberlin geboren, hatte Cornelia Schleime von 1975 bis 1980 an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden studiert. Wie ihre dort- igen Künstlerfreunde A. R. Penck, Ralf Kerbach, Hans Scheib, Reinhard Stangl, Helge Leiberg und andere geriet sie durch ihr innovatives, nicht staatskonformes Arbeiten und Auftreten in den Fokus der Staatssicher- heit. Neben Grafik und Malerei entstanden schon damals experimentelle Selbstinszenierungen, Filme, Aktionen, Installationen und literarische Texte. Sie wirkte an der Künstlerzeitschrift „und“ und in der Punk-Band “Π√Zwitschermaschine“ mit. 1981 erhielt sie erst Ausstellungs-, dann Auftrittsverbot, durfte aber erst 1984 sozusagen über Nacht die DDR verlassen. Im Zuge dieser Ausbürgerung ging ihr gesamtes zurückg- elassenes Oeuvre verloren.  Cornelia Schleime ist heute eine inter-national geachtete und erfolgreiche Künstlerin. Ihre Arbeitsweise ist vielseitig und experimentell geblieben: So wurde sie mit ihrem Roman „Weit fort“ 2007 auch als Schriftstellerin bekannt. Unter dem Titel „In der Liebe und in der Kunst weiß ich genau, was ich nicht will“ erschien unlängst im Kerber-Verlag eine umfangreiche autobiografische Collage mit Bildern und Texten seit ihrer Dresdener Zeit. Im Jahr 2000 wurde Cornelia Schleime in die Sächsische Akademie der Künste, Dresden berufen. Sie erhielt wichtige Stipendien und Preise und ist national wie international in zahlreichen Ausstellungen namhafter Veranstalter vertreten.








Neues Kunsthaus Ahrenshoop
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