NEUES KUNSTHAUS AHRENSHOOP - Das temporäre Haus


NEUES KUNSTHAUS AHRENSHOOP

Das temporäre Haus


Franca Bartolomäi
(Ausschnitt)











Marie-Luise Meyer
(Detail)











Max Baumann

Das temporäre Haus

28.11.2010 – 21.02.2011
täglich geöffnet von 10 –16 Uhr

Länderschwerpunkt Sachsen-Anhalt innerhalb des Stipendiatenprogramms des Künstlerhauses Lukas - in Kooperation mit der Kunststiftung Sachsen-Anhalt

Simone Trieder - Prosa
Franca Bartholomäi - Holzschnitt
Marie-Luise Meyer - Skulptur
Max Baumann - Fotografie

Der Mensch wohnt seit seinen Anfängen immer wieder temporär: war es in Vorzeiten ein Mitziehen mit lebbaren Jahreszeiten und fruchtbaren Umgebungen, ist auch der postmo- derne Mensch immer wieder auf der Suche nach kurzzeitigem Unterkommen in fremden Orten. Die Künstlerreise der Renaissance ist heute aktuell mehr denn je. Künstlerinnen und Künstler suchen sich Residenzen in verschiedenen Erdteilen, um den Kulturaustausch zu befördern, Ruhe oder besondere Lebendigkeit für ihre Arbeit zu finden.

Durch die Globalisierung sind entrückte Länder plötzlich erreichbar, Flüge sind leistbar geworden und globale Vernetzung ist alles - so gehört ein ständiges Unterwegs-Sein für manche Berufsgruppen zum Alltag. „Längst hat die Wirtschaft ihre territorialen Grenzen verlassen und mit ihr geht die Arbeitswelt außer Landes. Damit erleben nomadische Lebensweisen und Strategien eine aktuelle Reinkarnation und durchdringen mit wachsen- der Intensität die mächtigen Zitadellen der sesshaften Welt. Die Gesellschaft von heute wird immer mehr zu einer modernen Nomadengesellschaft.“
 
Andere nehmen ihren Urlaub zum Anlass, einen anderen Ort zu besuchen, einen fremden Raum zu erobern. Künstlern ist der ferne Ort nicht selten die einzige (gute) Möglichkeit, dem Lebensalltag und Überlebenskampf zu entfliehen, um konzentriert arbeiten zu können.

Wie wird ein Raum, ein Ort, von Durchziehenden geprägt? Es wird etwas hinterlassen, etwas hinzugefügt, etwas weggenommen. Durch diese Instabilität kann ein solcher Ort als Metapher gelesen werden für das Leben an sich. Andererseits kann aber gerade auch im Unterwegssein, im Mitnehmen von Erfahrungen und Denkweisen eine neue Form der Stabilität entstehen.

Künstlerinnen und Künstler besetzen Orte temporär. Auch das Künstlerhaus Lukas in Ahrenshoop ist geprägt von ununterbrochener Fluktuation, temporären Wohnorten. Was bleibt davon?

Villém Flusser beschreibt in seinem Text „Von der Freiheit der Migranten“ den Blick von außen (der Migranten) auf die Bräuche und Traditionen der Einheimischen, durch den diese wiederum gezwungen werden, sich selbst zu sehen und ihre Traditionen zu hinter-fragen. Bestätigen aber temporäre Aufenthalte und auch deren Gäste wiederum nicht die Verkitschung eigener Sitten, indem sie verlässlich billige Souvenirs kaufen, Muscheln, Steine und als „authentisches“ Geschenk den Daheimgebliebenen überreichen?
Neues Kunsthaus Ahrenshoop
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